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Autor Thema: Fotografie von Funden  (Gelesen 8297 mal)
Signalturm
Erzherzog
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« am: 03. März 2015, 00:10:32 am »

Angeregt durch den Beitrag:   http://www.sucherforum.de/smf/index.php/topic,61001.0.html
hab ich mich entschlossen eine kleine Serie rund um die Fundfotografie zu starten. Beginnen möchte ich mit dem leidigen Thema der geringen Tiefenschärfe/Schärfentiefe. Im Anhang seht ihr zwei Bilde. Das erste soll verdeutlichen wie groß der Unterschied ist ob man einen Fund mit einer Vollformat b zw. APS-C Kamera fotografiert oder mit einer kleinen Digiknipse. Die gelben gleichgroßen Kreise am unteren Bildrand sollen eine Münze symolisieren. Natürlich ist sie immer gleich groß. Aber wen ich sie mit allen verschiedenen Kameratypen jeweils Formatfüllend fotografiere so ist ihre Abbildung jedes mal ein Stückchen kleiner. Und zwar genau so groß wie eben der Sensor der Kamera ist.
Das bedeutet ich habe beim gleichen Foto, welches ich mir danach von jeder der Aufnahmen entwickeln oder ausdrucken lassen würde, ein Bild mit einer jeweils gleich großen Münze vor mir. Aber die Tiefenschärfe reicht auf dem einen Foto mit dem größten Sensor gerade einmal 2-3mm und bei den Aufnahmen mit den kleinen Sensoren reicht der Bereich mit der nötigen Schärfe über die ganze Münze. Bild 2 mit der Tabelle zeigt euch wie gering die entsprechend Schärfe bei einem Maßstab von 1.1, 1.2 oder 1.3 ist. Von daher besser einen kleineren Sensor zu wählen oder aber mit einer Kamera mit größerem Sensor das Format nicht voll ausnutzen sondern noch genügend Rand ums Objekt lassen und später das Bild zuschneiden.
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Jøran-Njål
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Raubgräberterminator


« Antworten #1 am: 08. März 2015, 16:08:05 pm »

Hallo,

vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.  winke winke
Hast Du das schon mal mit einem Flachbrettscanner versucht?

Grüße,

Jøran-Njål
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« Antworten #2 am: 08. März 2015, 17:14:34 pm »

Klar. Ein Flachbettscanner ist noch lange nicht das schlechteste. Gerade bei flächigen Funden spricht überhaupt nichts dagegen. Wenn die Objekte mehr 3-dimensional sind wird es etwas schwieriger. Aber oftmals ist ein Scann  besser als schlecht fotografiert. Maßstab dazulegen und los. Der größte Nachteil ist natürlich der, dass ich in Sachen Beleuchtung und Lichtrichtung begrenzt bin. Seitenlicht zum Beispiel bringt bei einem schwachen Münzbild noch etwas mehr an Info. Wer einen Scanner sein eigen nennt sollte es ruhig einmal probieren. Wird meist besser als man anfangs denkt. Und das Problem mit verwackeln beim Fotografieren oder der Einsatz eines Statives ist auch nicht von Nöten. Wenn man ein höheres Objekt auf das Vorlagenglas des Scanners legt, so das sich der Deckel nicht mehr richtig schließt sollte man eine Folie oder einen weisen Stoff darüber legen damit das Licht reflektiert werden kann.  Werde das bei Gelegenheit demonstrieren. Danke für die Anregung
Gruß Signalturm
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Raubgräberterminator


« Antworten #3 am: 09. März 2015, 00:21:29 am »

Super geschrieben, so arbeite ich auch.  Super

Wegen Seitenlicht und Scanner --> Große Rolle nehmen, darin auf der Innenseite LED-Band kleben und darin dann die Münze legen und scannen.

Grüße,

Jøran-Njål
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Belta
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« Antworten #4 am: 09. März 2015, 14:16:21 pm »

sehr gute Ansätze, aber wie so oft in der technischen Welt: es ist manchmal (leider) komplizierter (sagt jemand, der täglich beruflich mit Fotografie zu tun hat). Ich möchte hier nicht widersprechen, viel mehr ein wenig den Fokus erweitern  winke winke

In der Theorie ist die Rechnung "kleiner Sensor fördert Schärfentiefe" (gelbe Münze auf rotem Sensor) vollkommen richtig, in der Praxis bekommen die "digitalen Pocketknipsen" jedoch so vieles gar nicht gut hin: sind es Kameras, die mit einem Super-Nahabstand locken (bis ran an 1cm), dann resümieren bei Makrofografie oft wuschige verzerrte Bilder (Tonnenverzerrung), ansonsten schaffen sie (bei gleichzeitiger Bildqualität) fast nie einen makrowürdigen Abbildungsmaßstab, der irgendwo so bei 1:1 liegen sollte (Der Abbildungsmaßstab hängt nicht nur vom Nahabstand von der Linse ab!). Weitere Faktoren wie mangelnde Auflösung, Lichtempfindlichkeit, höhers ISO-Rauschen (ab ISO400), keine manuellen Einstellmöglichkeiten (bspw. Blendenvorwahl), usw verderben dann schnell den Spaß des Pocket-Makrofotografen.

ok, was nun... die Theorie sagt: die Schärfentiefe wird u.a. beeinflußt durch die Blendenöffnung, durch Abbildungsmaßstab - und da dieser sich aus Brennweite des Objektivs und Gegenstandsweite ergibt, auch von diesen Faktoren. Der größte (und am meisten genutzte) Stellhebel ist die Blende. D.h. bei Makrofotografie die Blende "zu" machen (abblenden, also in Richtung Blende 22, 32), so dass der Schärfentiefebereich größer wird. Das ist aber wiederum nicht bis ultimo (22 oder 32) sinnvoll, denn da gibt es wieder Unschärfephanömene durch Brechung des Lichts. Eine sogenannte "Förderliche Blende" ist dann bspw. bei einer typischen Situation (DSLR-Kamera Vollformat und Abbildungsmaßstab 1:1) eine Blende zwischen 9 und 11.

Zur praktischen Umsetzung:
1. Eine Kamera verwenden (ob Pocket oder DSLR), die eine gute Qualität hat in Bild und Bedienung, die manuell einstellbar ist (mind. Blendenvorwahl), und mit dem Objektiv (fest oder Wechsel) und dem Nahabstand einen guten Abbildungsmaßstab hinbekommt.
2. Die Kamera auf Blendenvorwahl stellen, bspw. mit Kürzel "Av" (Canon) oder "A" (Nikon, diverse), auch genannt "Zeitautomatik mit Blendenvorwahl", dann eine Blende vorwählen, die irgendwo im Bereich der "Förderlichen Blende" liegt (siehe Links unten, bspw. Blende 9-11)
3. Durch die genutzte kleine Blende käme wenig Licht auf den Sensor, somit wird die Automatik unserer Kamera die Belichtungszeit erhöhen wollen. Falls langsamer als (ca.) 1/100s, dann lässt sich das nicht mehr ohne Verwacklungsunschärfe aus der Hand fotografieren, d.h. entweder die Cam auf ein Stativ setzen oder mit höheren ISO-Werten gegensteuern (aber nur im Rahmen des Nichtrauschens, je nach Kamera bei ISO400, ISO 800, ISO 1600, bei guten DSLR-Kameras auch bis ISO3200, ausprobieren und Bilder vergleichen) oder Punkt 4.
4. Gute Beleuchtung von 2 oder mehreren Seiten, darf auch gern Taglicht sein (welches bei leichter Bewölkung hell und diffus ist, bspw. nah an größerem Fenster oder Dachfenster) oder aber geeignetes Kunstlicht, lieber nicht der direkte Blitz der Kamera (Reflektionen bei glatten Flächen, Münzen, dazu harte Schatten), eher entfesseltes Blitzen von 2 oder mehr Seiten, oder Tabletop-Fotografie mit bspw. EZCube Light Tent (Mini-Fotostudio für kleine Gegenstände). Auch warmes Dauerlicht (Glühbirnen) funktioniert, ggf. muß man über den Weißabgleich der Kamera korrigieren oder nachher die Farbtemperatur in einer Foto-Software anpassen (sonst gelblicher Stich).

Probieren geht über Studieren.

ps: weil das Thema Tiefenunschärfe wirklich schwierig zu handeln ist, gibt es da noch einen superinteressanten Ansatz in der Ecke der Makrofotografie - durch sog. "Focus Stacking" lassen sich total scharfe Bilder erzeugen und Umsetzung & Ergebnisse sind wirklich interessant - gut zu lesender Beitrag als Link (PDF) siehe unten.

Link 01 - Schärfentieferechner - wie sich die Änderung von Brennweite, Blende, usw auf die Schärfentiefe auswirkt:
http://www.mhohner.de/formulas.php?lg=d#calc

Link 02 - Coin Photography Technics (Münzen fotografieren - in english):
http://www.tabletopstudio.com/documents/coin_photography.htm

Link 03 - Förderliche Blende
http://makro-treff.de/article/die-optimale-blende-der-makrofotografie

Link 04 - Focus Stacking:
https://www.dpunkt.de/leseproben/2891/Kapitel%203.pdf


Grüße.. der Micha
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clivia ducatus et ravestein dominium
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« Antworten #5 am: 09. März 2015, 22:33:25 pm »

richtig Micha, aber:   ..., in der Praxis bekommen die "digitalen Pocketknipsen" jedoch so vieles gar nicht gut hin: sind es Kameras, die mit einem Super-Nahabstand locken (bis ran an 1cm), dann resümieren bei Makrofografie oft wuschige verzerrte Bilder (Tonnenverzerrung), ansonsten schaffen sie (bei gleichzeitiger Bildqualität) fast nie einen makrowürdigen Abbildungsmaßstab, der irgendwo so bei 1:1 liegen sollte ......
Die Tatsache das ich z.B. eine wirklich kleine Münze erst gar nicht in 1:1 fotografieren muss um sie Formatfüllend zu erhalten, im Gegensatz zu einer Vollformatkamera oder auch APS-C-Kamera, sondern ich sie gut Formatfüllend mit 1:5 habe macht es dann interessant. Und dann auch nicht gerade die billigsten Aldiknipsen mit irre viel Pixelnfür 99,99 €. Eine gute Markenkamera im Bereich von 250-300 €, als Auslaufmodell auch oft für knapp unter 200€ und einer manuellen Einstellmöglichkeit reichen um gute Fundbilder zu machen. Der Rest ist dann, sich mit seiner Kamera vertraut zu machen. Die beste Kamera ist die , die man gut kennt. Klar kann man dann auch noch Software mäßig noch mit Focusstacking arbeiten und vieles mehr. Bei 98 % der Funde kommt man sicherlich auch ganz gut ohne hin. Und Schärfemäßig wird es bei vielen der Funde mit einem großen Sensor schwieriger als mit einer guten Mittelklasse-Digiknipse im kleineren bis mittleren Sensorbereich.
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« Antworten #6 am: 11. März 2015, 18:09:23 pm »

ja, ich geb dir recht. Im Prinzip funktioniert das mit der Vorgehensweise "Ausschnitt vergrößern". Ist auch für Online-Verwendung (Forum, mit bspw. 1000px-Bildern) vollkommen ok. Ich gebe aber zu bedenken, dass nach einem Vergrößern die verbleibenden Pixel weniger werden, d.h. bspw. für einen Druck (bspw. Doku 13x18cm, Bilder für Museumsprospekt, etc) nicht mehr ausreichten. Wenn so eine Pocketkamera bspw. 13 Megapixel hat und damit eine Auflösung von 4160 x 3120, dann wirds eng, wenn der Ausschnitt bspw. nur noch 1200px hat, aber 300dpi beim Druck verlangt wird. Soll heißen: die Vorgehensweise würd ich nicht empfehlen, wenn es um richtige Printsachen geht  winke winke

ps: das mit dem Focus Tracking ist nur mal zum Ausprobieren. Nix für den "normalen" Alltag zwinker
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« Antworten #7 am: 11. März 2015, 18:12:45 pm »

ps: also ... ähm... trotz des prof. Anspruchs und des Equipments, wenn es um berufliches Fotografieren geht  ... ich fotografiere privat oft und gern mit ner Pocket oder letzte Zeit auch oft mit dem Smartphone. Hab hier ne Lumix LX3, die ich sehr schätze  winke winke
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« Antworten #8 am: 11. März 2015, 22:50:21 pm »

Genau so isses. Aussage mit den Kameras und dem großen Sensor-die Ausschnitte bei nicht formatfüllender Fotografie sind eher fürs Internet und Doku und nicht für extra große Prints. Aber bei einer besseren Kompakten und der dortigen Formatfüllenden Fotografie ( Tiefenschärfe hab ich ja genug) kann ich auch später locker 20x30cm drucken in sehr guter Qualität.
P.S. Mir ist nichts fremd was irgendwie fotografiert. Vom kleinen Pocket der 80.er bis zur Mittel und Großformatkamera im Fotostudio und Foto-Fachlabor. Aber die großen Spiegelreflexkameras mit großem Sensor sind zum teil schon Auslaufmodelle oder nur für begrenzte Teile der Fotografie noch von Nöten. Eine gute Digitale mit mittlerem Sensor und moderater Pixelzahl ist in Sachen Kosten/ Nutzen/praktischer Handhabung/erreichbarer Qualität/ ausreichende Tiefenschärfe etc. ein für mich überzeugender Kompromiss.
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