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Autor Thema: Pilgeranhänger?  (Gelesen 3857 mal)
schnulch
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Troy-Minelab


« am: 30. Mai 2005, 20:58:05 pm »

Habe zwei Anhänger gefunden, der linke ist aus Kupfer und der rechte aus Messing, kann mir J :engel:emand das Alter und den evtl. Zweck (Glauben,Sinn) nennen?
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Gratian
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Allwissend bin ich nicht doch viel ist mir bewusst


« Antworten #1 am: 30. Mai 2005, 21:24:23 pm »

Hallo Schnulch,

bei dem ersten, herzförmigen Anhänger handelt es sich um ein Andenkenn an (Kloster)Weingarten.Weingarten, Landkreis Ravensburg, ist eine Große Kreisstadt im mittleren Schussental.Bis 1865 wurde der Name Weingarten nur für das Kloster Weingarten verwendet, die umgebende Ortschaft hieß Altdorf. Der Name Kloster Weingarten ist um 1123 belegt. Die Mönche beschäftigten sich u. a. mit der Buchmalerei, ihr berühmtestes Werk ist das so genannte Berthold-Sakramentar (1217, heute in der Pierpont Morgan Library in New York).

Am Freitag nach Christi Himmelfahrt findet in Weingarten der sog. "Blutritt" statt, die grösste Reiterprozession der Welt zu Ehren einer Reliquie, die der Legende nach einen mit Erde vermischten Blutstropfen Jesu Christi enthält. Dieser Blutstropfen soll von einem römischen Legionär aufgefangen worden sein, der später als Heilige Longinus bekannt wurde. Mit seinen Gebeinen kam die Reliquie nach Mantua. Von dort kam sie zu den Welfen und schliesslich nach Weingarten. Die Reliquie wird vom Heilig-Blut-Reiter mitgeführt, der den Segen des Heiligen Blutes für Haus, Hof und Felder spendet.

Der Blutritt wurde 1529 erstmals schriftlich erwähnt und bereits damals als Brauch "von alt her" bezeichnet. Zum Auftakt des Blutrittes nehmen an Christi Himmelfahrt Tausende von Pilgern an einer abendlichen Lichterprozession zum Kreuzberg (seit 1890) teil. Am Blutfreitag beginnt dann ab ca. 7.00 Uhr morgens der Blutritt, an dem rund 3.000 Reiter in Frack und Zylinder und zahlreiche Musikkapellen teilnehmen. Der Blutritt wird an den Straßen der Stadt von etwa 30.000 Pilgern und Zuschauern verfolgt.

Das Bild steht auf dem Kopf. Auf der einen Seite erkennt man das Heilig-Blut-Reliquiar.
Auf der Anderen Seite den Hl. Longinus wie er, auf einem Pferd sitzend, Jesus am Kreuz mit der Lanze ins Herz sticht.
Zeitstellung: 18. Jahrhundert.

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schnulch
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Troy-Minelab


« Antworten #2 am: 30. Mai 2005, 21:28:50 pm »

Sehr schnelle und präzise Antwort, vielen vielen Dank und Gruß....
Viel Gück beim nächsten mal Sondeln.
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Gratian
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Allwissend bin ich nicht doch viel ist mir bewusst


« Antworten #3 am: 30. Mai 2005, 21:42:34 pm »

Danke für die netten Worte. Der zweite Anhänger macht etwas mehr Schwierigkeiten.

Von der Zeitstellung her würde ich ihn auch ins 18. Jahrhundert datieren.

Auf der einen Seite eine wohl männliche, auf der anderen Seite eine weibliche Person. Jeweils im Brustbild. Auf der Seite der weilichen Person sind von der Umschrift die Buchstaben ..DOLOROS.. zu erkennen. Vermutlich als MATER DOLOROSA zu ergänzen. Es handelt sich also um die Abbildung Mariens der Mutter Gottes als Mutter Dolorosa, also als schmerzhafte Mutter Gottes.
Die "Sieben Schmerzen Mariens" sind der Gegenpol zu den "Sieben Freuden". Im einzelnen sind damit folgende schmerzhafte Erfahrungen im Leben von Maria gemeint:

• Die Weissagung Simeons, bei der Darstellung Jesu im Tempel, Jesus werde viel widersprochen, aber auch seiner Mutter werde "ein Schwert durch die Seele dringen" (Lukasevangelium 2, 35).

• Die Flucht vor dem Kindermörder Herodes nach Ägypten (Matthäusevangelium 2, 13 - 15).

• Das Verlieren des zwölfjährigen Jesus im Tempel in Jerusalem und die drei Tage dauernde Suche nach ihm (Lukasevangelium 2, 42 - 48).

• Die Begegnung mit ihrem Sohn auf dessen Weg zum Kreuz, dargestellt in der 4. Station der Kreuzwegandacht (vgl. Lukasevangelium 23, 27).

• Das Ausharren unter dem Kreuz Jesu (Johannesevangelium 19, 25 - 27).

• Die Kreuzesabnahme Jesu, bedacht in der 13. Station der Kreuzwegandacht, in der Kunst dargestellt als "Pieta".

• Die Grablegung Jesu, erinnert in der 14. Station der Kreuzwegandacht.

Wer die männliche Person ist kann ich nicht genau sagen. Welche Buchstaben erkennt man noch von der Umschrift?
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schnulch
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Troy-Minelab


« Antworten #4 am: 30. Mai 2005, 21:48:42 pm »

Geballtes Fachwissen, so gefällt es mir!!!!!!!!
Die männiche Umschrift kann ich so auch nicht entziffern, der vorletzte Buchstabe vielleicht ein A und der letzte ziemlich sicher ein T.
Dürften so ca. 8-9 Buchstaben gewesen sein.
Danke dir Gratian!
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