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Autor Thema: Silex aus Le Grand Pressigny - Replikate  (Gelesen 998 mal)
Steinkopf
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« am: 08. Oktober 2019, 14:06:27 pm »

Hallo,

gelegentlich wird nach der Herkunft eines  Rohmaterials gefragt und dabei taucht Le Grand Pressigny
als prominente Quelle besonders für lange Klingen und Klingendolche auf.
Bei Grabungen fand man diese charakteristischen langen Klingen in Westeuropa bis zur Nordsee hinauf.
Eine französische Archäologin hat die Fundplätze auf einer Karte dargestellt und die Funde auf ihre
Materialherkunft hin untersucht.
Es gibt im Vercors noch eine weitere Industrie dieses Typs, die ein graues Silexmaterial verwendet.

Das großformatige Material aus der weiteren Umgebung des Städtchens Le Grand Pressigny wurde sowohl
lokal genutzt als auch für eine auf Export ausgerichtete Industrie für zahllose Dolchklingen .

Der Silex variiert zwischen grau und braun - sogar violette Verfärbung kommt gelegentlich vor.
Etwas entfernt gibt es auch ein kleines Vorkommen einer fast schwarzen Varietät.

Wie kann man nun die Herkunft erkennen?
     Das Material (Oberkreide, Turon) ist zwar nicht transparent aber man kann (meistens) etwas 'in das Material hineinsehen'.
     Das Hauptkriterium sind sehr kleine, feine Quarzkörnchen, die bei starken Licht und leichtem
     hin- und her Drehen des Prüfstückes sichtbar werden, funkeln.
     Viel zu winzig, um im Foto sichtbar abgebildet werden zu können.
     Bei frischen Bruchflächen ist dies Funkeln deutlicher zu erkennen als unter einer Patina.

Mitte der 80er Jahre traf ich bei einer Frankreichreise den Flintknapper Bernard Ginelli.
Er weckte mein Interesse für diese Materie. Ich traf ihn noch einige Male wieder.
Letztes Jahr verstarb Bernard Ginelli.
Von ihm habe ich damals einige seiner Arbeiten aus besagtem Material erworben, die ich hier
als Muster einmal vorstellen möchte. Auch den Nachbau eines Dolchfundes aus einem Alpensee.
Die Dolche und die Klingengeräte sind von Ginelli. Beil und Faustkeil von anderen Flintknappern.
Für die Großklingen wurde nur bestes Material verwandt.
Das Biface ist aus einem derben Material und zeigt noch ein Stückchen grauen rauen Cortex.


LG

Jan





« Letzte Änderung: 08. Oktober 2019, 17:21:05 pm von Steinkopf » Gespeichert
RockandRole
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« Antworten #1 am: 09. Oktober 2019, 06:15:51 am »

Hallo Jan,

vielen Dank für deine ausführliche Erklärung zu diesem besonderen Rohmaterial. Die Stücke welche du zeigst sind natürlich eine Wucht  grins

Ich haber jetzt noch einmal mein Fundstück auf deine angegebenen Kriterien her geprüft und kann nun, auch aus eigener fester Überzeugung, dieses Rohmaterial sicher ausschließen.

Toll das du uns an diesen wunderbaren Stücke teilhaben lässt  winke winke

liebe Grüße Daniel
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gefährliches Drittelwissen
Steinkopf
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« Antworten #2 am: 09. Oktober 2019, 21:13:20 pm »

Hallo Daniel,

es freut mich, wenn dieser Beitrag zum Verständnis beigetragen hat.
Dein Thread war für mich der Anlass, dieses Material einmal umfassender darzustellen.

Es ist mir jetzt mit Kunstlicht im richtigen Winkel gelungen, die blinkenden, funkelnden kleinen
Quarz Körner im Foto sichtbar zu machen.

Oben im Bild ist die Kante eines Abschlags leicht vergrößert abgebildet.
Darunter von diesem Bild ein stark vergrößerter Ausschnitt.
Die leicht gekrümmte Zeichnung im Material erleichtert die Orientierung.
Es ist wie am Sternenhimmel. Je stärker die Vergrößerung, desto mehr leuchtende Punkte werden sichtbar.

Schöne Grüße

Jan
« Letzte Änderung: 09. Oktober 2019, 21:37:29 pm von Steinkopf » Gespeichert
StoneMan
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« Antworten #3 am: 09. Oktober 2019, 22:02:12 pm »

Bonsoir Jan,

Danke Jan.

Schöne Story - beeindruckende Arbeiten - interessanter Thread.

Die Präsentation ist prima, der "Sternenhimmel" eine fotografische Herausforderung  Super

Kannst Du bestätigen, dass weniger oder nicht patinierter Flint ´Le Grand Pressigny´mehr glitzert
als die stark patinierten Stücke?

Gruß

Jürgen

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« Antworten #4 am: 10. Oktober 2019, 09:22:15 am »

Moin Jürgen,

danke für Deine Anmerkungen.
Deine Frage möchte ich so nicht beantworten weil hier einmal die
mineralogische (vielleicht) auch geologische Dimension zu klären ist
und zum anderen die Sehfähigkeit meiner altersschwachen Augen, mein Visus.

Mineralogisch greife ich auf eine kleine sw Abbildung zu, die mit Text:
    "Silex Turonien supérieur du Grand Pressigny observé au microscope électronique a balayage.
     ..grossissement 500 (la aspect microcristallin est bien visible)." 1)
 
Wenn wir noch einmal auf meine letzte Abbildung zurückkommen:
Das im Bild zu sehende 'krumme Ding' ist ca. 6 mm lang.
Es ist ein kleiner Absatz, der beim Abschlag stehen blieb.
Auf dem Foto ist es fast 6 cm lang. Vergrößerung? rechne selbst!

Meine Versuche, die Quarze zu glitzern zu bringen sind recht begrenzt.
Zumeist liegt der Focus auf der archäologischen Betrachtung.
mit bloßem Auge klappt es (bei mir) meist bei frisch geschlagenen Spaltflächen.
Dabei muss ich das Objekt in der Hand haben um es vor einer starken Lichtquelle
durch leichte Bewegung zum glitzern bringen kann.

Die typische Patinierung die ich kenne ist meisten ein gewisser Glanz auf der Oberfläche,
der das Hineinsehen in die Matrix des Silex erschwert.

Man müsste es folgerichtig geologisch angehen und zunächst eine frische Bruchfläche schaffen.

Schöne Grüße

Jan

1)Jean-Claude Marquet: LA PREHISTOIRE EN TOURRAINE,
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« Letzte Änderung: 10. Oktober 2019, 19:55:11 pm von Steinkopf » Gespeichert
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« Antworten #5 am: 10. Oktober 2019, 11:07:51 am »

Moin Jan,

...

Meine Versuche, die Quarze zu glitzern zu bringen ist recht begrenzt.
Zumeist liegt der Focus auf der archäologischen Betrachtung.
mit bloßem Auge klappt es (bei mir) meist bei frisch geschlagenen Spaltflächen.
Dabei muss ich das Objekt in der Hand haben um es vor einer starken Lichtquelle
durch leichte Bewegung zum glitzern bringen kann.

Die typische Patinierung die ich kenne ist meisten ein gewisser Glanz auf der Oberfläche,
der das Hineinsehen in die Matrix des Silex erschwert.

...

meine Möglichkeiten sind ebenso begrenzt.

So wie Du es beschreibst den ´Sternenhimmel´ zu bekommen, schaffe ich es ja auch.
Mit bloßem Auge wie mit meinem Binokular 30 bis 70-fache Vergrößerung geht es - allein dies
aufs Foto zu bringen - na das weißt Du ja was das für ein Akt ist.

Aber somit ist es für mich schon eine Bestätigung, dass die Patina das Glitzern vermindert.

Bei einigen Stücken ´Le Grand Pressigny´ habe ich auch Inklusen von Bryoza oder eher Foraminiferen drin.

Beizeiten versuche ich mich mal mittels Makroobjektiv dem Material zu nähern  Ein Auge drauf werfen

Danke Jan.

Gruß

Jürgen
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« Antworten #6 am: 10. Oktober 2019, 21:51:19 pm »

Hallo Jürgen,

jetzt hab ich noch mal den halben Abend verdaddelt um das Leuchten einzufangen.

Es sind wohl einige Partien auf besonderen Stücken optimal geeignet um die Strahler einzufangen.

Ein Foto mit Schreibtischlampe und einer zusätzliche LED-Lampe nah am Stein aufgenommen
häng ich noch an.

Die Kamera Daten müssten sich auslesen lassen - oder geht das bei der Bearbeitung verloren?


LG

Jan
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2019, 21:58:42 pm von Steinkopf » Gespeichert
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« Antworten #7 am: 10. Oktober 2019, 23:26:59 pm »

Moin Jan,

da warst Du ja wieder fleißig und erfolgreich  Ein Auge drauf werfen Super

Sehr schön, was schätzt Du, wie groß der Ausschnitt ist?

Du machst mich neugierig, wie das bei mir wird - aber im Moment fehlt die Zeit dafür.

Die Daten kann ich auslesen.

Gruß

Jürgen
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« Antworten #8 am: 11. Oktober 2019, 19:41:56 pm »

Hallo Jürgen,

die Breite liegt bei ca. 8  mm.

Schöne Grüße

Jan
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« Antworten #9 am: 11. Oktober 2019, 19:50:59 pm »

Moin Jan,

Danke für den Nachtrag. Dann sind da doch recht viele Strahler drin  Ein Auge drauf werfen

Ich hatte heute einmal ein Stück unter dem Binokular, schön zu sehen, wenn auf der Spaltfläche die Glitzer sind und
es bei der daneben liegenden Retusche, in "tieferen" Gefilden, ebenso glitzert.

Gruß

Jürgen
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« Antworten #10 am: 11. Oktober 2019, 23:55:20 pm »

Ich würde mich auf das Glitzern nicht so versteifen.
Muss ich aber an vorliegendem Material nochmal prüfen.

mfg
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« Antworten #11 am: 11. Oktober 2019, 23:58:19 pm »

Ich würde mich auf das Glitzern nicht so versteifen.
Muss ich aber an vorliegendem Material nochmal prüfen.

mfg


Moin,

Du hast es bei Dir noch nicht gesehen?  Ein Auge drauf werfen

Gruß

Jürgen


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« Antworten #12 am: 12. Oktober 2019, 00:22:12 am »

Nein, absolut nicht.
Habe gerade ein kleineres Stück (ca. 70x60 mm) in der Hand. Da glitzert nichts.
Auch mit Lupe nicht  mhh grübel
Die größeren Stücke liegen im Keller.

mfg
« Letzte Änderung: 12. Oktober 2019, 00:27:47 am von hargo » Gespeichert

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« Antworten #13 am: 12. Oktober 2019, 00:32:40 am »

Moin,

hast Du Artefakte (patiniert) oder auch reines Rohmaterial?

Wenn Du die Möglichkeit hast eine frische Bruchstelle an Rohmaterial zu erstellen, wäre das sicher interessant.

Ich habe lediglich Artefakte patiniert / glänzend und matte (ohne Patina?), die patinierten lassen bei mir kein Glitzern zu,
habe aber noch nicht alle dahingehend intensiv angeschaut.

Die Artefakte zerdepper ich natürlich nicht.

Gruß

Jürgen
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« Antworten #14 am: 12. Oktober 2019, 23:12:36 pm »

...
Wenn Du die Möglichkeit hast eine frische Bruchstelle an Rohmaterial zu erstellen, wäre das sicher interessant...


Ich zögere noch.

mfg
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