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Autor Thema: Das Fragment eines durchbohrten Großgerätes  (Gelesen 386 mal)
thovalo
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« am: 14. Juli 2019, 21:17:04 pm »


Guten Abend!

Ich wollte eigentlich nur vom Rad steigen um mir eine frühmittelalterliche Keramikstreuung anzusehen. Dabei bin ich über das durchbohrte Feslgesteinstück gestolpert. Bei dem Gestein handelt es sich um Amphibolit. Mit gefundene Silices deuten auf einen möglichen Rössener Kulturzusmmenhang hin. Was mit Blick von der Fundstelle aus auf das Siebengebirge bei Bonn schon außergewöhnlich ist.

lG Thomas  winke winke
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Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.
Wiesenläufer
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« Antworten #1 am: 15. Juli 2019, 03:45:08 am »

Moin,

fein!
Der Form nach sieht es wie das Fragment einer Axt aus und Du schreibst es so nüchtern. zwinker

Gruß

Gabi
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thovalo
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« Antworten #2 am: 15. Juli 2019, 04:59:52 am »


Guten Morgen!

Du hast vollkommen recht, der Umriß ist symmetrisch. Grundsätzlich sind durchbohrte Stücke immer Axtklingen, weil die Durchbohrung das Merkmal einer Axt ist. Das Loch ist gegenüber der Wandung so groß, dass ich von einem weit abgeschliffenen Gerät ausgehe. Amphibolit musste hierher beschafft werden und die Hauptzeiten für diesen Austausch waren die ältere und mittlere Jungsteinzeit. Eigentlich liegt so etwas recht isoliert, aber in diesem Fall fand sich noch etwas Silex, sodass das wohl ein angepflügter Befund ist. Es handelt sich um Debitage und kurze schmale Klingen. Davon weist ein Medialfragment lateral Retuschen auf und eine Artefakt ist ein vollständig erhaltener Bohrer. Der Herkunft aus Rickholt nach und einmal ist es ggf. Rullenfeuerstein, handelt es sich um typisches Material der älteren und mittleren Jungsteinzeit.

Vor 20 Jahren fand ich in der näheren Region bereits eine kleinere trapezförmige Dechselklinge aus Amphibolit, die der "Rössener Kultur" zugeschrieben worden ist. Die "Rössener Kultur" war eine regelrechte Pionierkultur, die erstmalig die Lößböden verlassen hat und sich dadurch weitflächiger entfalten konnte. Die nächst gelegene bandkeramikische Siedlung ist die frühe Grabung bei Köln-Lindenthal.

Für die Lage des Fundplatzes zwischen Köln und Bonn mit Blick auf das Siebengebirge ist das eine bislang noch sehr seltene Entdeckung. Ich hatte gar nichts erwartet, habe mich natürlich gefreut, aber nach dem langen intensiven Laufen war ich auch vollkommen ausgepowert.


lG Thomas  winke winke
« Letzte Änderung: 15. Juli 2019, 05:08:10 am von thovalo » Gespeichert

Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.
Wiesenläufer
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« Antworten #3 am: 15. Juli 2019, 14:04:29 pm »

Moin,

Danke für die ausführliche Beschreibung!

Da macht lesen Spaß und man kann sich einen Fundplatz "bildlich" vorstellen.
(Ich wäre in den nächsten Tagen ständig drauf  Big grinsing)

Gruß

Gabi
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« Antworten #4 am: 15. Juli 2019, 15:15:57 pm »

Ein feiner und seltener Fundbeleg, Thomas! Super

Vorausgesetzt, es handelt sich um eine Rössener Axtklinge, könnte man deine Annahme, dass die Klinge mehrfach nachgeschliffen wurde, auch dadurch bestätigt sehen, dass die Bohrung recht nah an der Schneide liegt. So viel ich weiß, liegt bei den Rössener Axtklingen und Setzkeilen die Bohrung im hinteren Bereich nahe beim Nacken.

LG
Holger
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Heino
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« Antworten #5 am: 15. Juli 2019, 15:32:34 pm »

Hallo Thomas,
warum erstaunen Dich Funde der Rössener Kultur Dort? Es gibt Fundplätze in Bonn, dem Siebengebirge und an der unteren Sieg.
Gruß Heio
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thovalo
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« Antworten #6 am: 15. Juli 2019, 18:52:29 pm »



Noch eine Ansicht von der Aussicht direkt vom Fundpunkt aus auf das Siebengebirge! Schöner Wohnen mit dem Blick in die Berge  ..... die hatten es schon drauf die Neoilithiker
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thovalo
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« Antworten #7 am: 15. Juli 2019, 18:56:21 pm »

Ein feiner und seltener Fundbeleg, Thomas! Super

Vorausgesetzt, es handelt sich um eine Rössener Axtklinge, könnte man deine Annahme, dass die Klinge mehrfach nachgeschliffen wurde, auch dadurch bestätigt sehen, dass die Bohrung recht nah an der Schneide liegt. So viel ich weiß, liegt bei den Rössener Axtklingen und Setzkeilen die Bohrung im hinteren Bereich nahe beim Nacken.

LG
Holger

Genaus so ist es. Mit immer weiteren Abschleifen rückt die Schneide näher an die Lochung. Die Axt wird immer symmetrischer und die Seitenwandungen zuletzt so dünnwandig, dass diese Reduzierung oft zum Bruch führt. Ich habe hier bei mir noch die Hälfte einer spätneolithischen Streitaxt.
Deren Lochung ist im direkten Vergleich deutlich kleiner.


lG Thomas  winke winke
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thovalo
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« Antworten #8 am: 15. Juli 2019, 18:58:50 pm »

Hallo Thomas,
warum erstaunen Dich Funde der Rössener Kultur Dort? Es gibt Fundplätze in Bonn, dem Siebengebirge und an der unteren Sieg.
Gruß Heio


Entlang des Streifens des Vorgebirges fehlten bislang Rössener Fundbelege. Obschon auch grade aktuell wie irre gebaut wird, wird bislang nichts Entsprechendes zutage gefördert.

lG Thomas  winke winke
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Heino
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« Antworten #9 am: 15. Juli 2019, 19:09:45 pm »

Hallo,
auf Baustellen gehe ich nur noch selten, denn die Geschwindigkeit mit der mittlerweile alles fertiggestellt wird, lässt kaum noch Möglichkeiten schwache Befunde zu erkennen.
Heino 
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thovalo
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« Antworten #10 am: 15. Juli 2019, 19:21:24 pm »

Hallo,
auf Baustellen gehe ich nur noch selten, denn die Geschwindigkeit mit der mittlerweile alles fertiggestellt wird, lässt kaum noch Möglichkeiten schwache Befunde zu erkennen.
Heino 

Ich radel immer mal die Runde, aber bislang komme ich kaum dazwischen mit entsprechenden Meldungen.
Und das Amt kriegt erst recht nicht die Beine in Gang.

lG Thomas
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