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Autor Thema: Keramik Kunstwerk  (Gelesen 510 mal)
animus
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« am: 11. Juli 2019, 19:01:17 pm »

Hallo zusammen

Heute habe ich meinen bisher wohl ungewöhnlichsten und spannendsten Fund gemacht. Leider bekomme ich nicht alle Ritzungen/Verzierungen auf ein Bild. Ich nehme mal Bild 1 als Referenzbild für oben/unten, rechts/links.

Das rechte "Horn" scheint recht vollständig, da fehlt nur oben ein bisschen Keramik. Ich würde erwarten, dass das linke "Horn" genauso aussah, also symetrisch war. Unten hat die Keramik einen größeren Durchmesser und ist abgebrochen. Mittig gibt es eine Öse. Wobei da die Frage wäre wozu sie gedient hat. Bei einem Anhänger würde ich das ganze quer erwarten, nicht längst. Es sei denn das ganze Objekt war deutlich größer und es gab mehrere Ösen. Aber da geht wohl die Fantasie etwas durch.

Es gibt einige Ritzungen auf der Vorderseite. Rechts ein dreiviertel Kreis mit 2 kleinen Linien. Unten einen Winkel, der nur auf der Vorderseite ist und sie nicht auf dem Rücken fortsetzt. Links dann einige größere und kleinere Linien.

Eine Magerung ist für nicht wirklich zu erkennen. Mal von den kleinen weißen Sandkörnern abgesehen, die aber wohl eher keine Magerung sind.

Zur Zeitstellung habe ich eine Vermutung. Würde aber gern andere Meinungen hören, bevor ich mich zu weit aus dem Fenster lehne.

Kann jemand von euch generell was zu dem Teil sagen? Weiß jemand was das ist? Und was seht ihr in dem Teil, erkennt ihr da eine Figur oder ähnliches?

Fundort: Acker, Mitte Sachsen-Anhalt, mehrphasiger Siedlungsbereich (wohl Neolithikum bis Mittelalter)

Daniel

p.s. entschuldigt die teilweise nicht so gute Bildqualität, war in Eile

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Nanoflitter
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« Antworten #1 am: 11. Juli 2019, 19:50:45 pm »

Würde hier von einer etwas ausgefallenen Handhaben- Aufhängungsvariante der LBK ausgehen, gesehen hab ichs in der Form jedoch auch noch nicht. Gruss..
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animus
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« Antworten #2 am: 12. Juli 2019, 10:32:08 am »

Würde hier von einer etwas ausgefallenen Handhaben- Aufhängungsvariante der LBK ausgehen, gesehen hab ichs in der Form jedoch auch noch nicht. Gruss..

An eine Handhabe habe ich zuerst natürlich auch gedacht. Allerdings scheint mir das irgendwie nicht zu passen, oder besser gesagt könnte ich mir nicht erklären, wie sie Am Gefäß angebracht gewesen sein soll. Das rechte "Horn" ist ja fast komplett. Da das linke Horn die selbe Dicke hat, würde ich erwarten, das es wie das rechte Horn ist, also einigermaßen symetrisch. Das würde bedeuten, dass nur unten eine Möglichkeit bestanden hat, die Handhabe am Gefäß anzubringen. Die Rückseite ist ja garnicht verziert oder anders bearbeitet, daher denke ich das dies auch wirklich die Rückseite wäre.

Vielleicht ist es möglich, dass das Ganze als Handhabe dann in einem gewissen Winkel nach oben zeigend an einem Gefäß/Gefäßrand angebracht war. Aber wie du schon sagst, habe ich sowas noch nie gesehen. Ich würde dann auch die öse quer erwarten, nicht längst (obwohl es Ösen auch längst gibt). Als Fuß würde dann die Öse widerum keinen Sinn machen. Der Durchmesser der Öse scheint mir mit nur 3mm ebenfalls etwas gering, im Gegensatz zu dem was man sonst so sieht.

 mhh grübel mhh grübel mhh grübel

Bandkeramisch würde ich es aber auch einschätzen, auch im Zusammenhang mit anderen Funde die zumindest Indizien für Bandkeramik liefern.

Daniel
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thovalo
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« Antworten #3 am: 12. Juli 2019, 17:20:16 pm »



Hallo Daniel!


Ich sehe das als sehr wahrscheinlichen Bestandteil eine Gefäßes mit Tierprotomen mit der zeitliche Stellung in der Bandkeramik.

Und ich denke, Du solltest das zeitnah der offiziellen Archäologie vorlegen, denn dort gehören solche Stücke hin.

Es ist nicht klärbar ob es sich bei diesen Gefäßen um "Kultgefäße" gehandelt hat.

Jedenfalls sind solche Gefäße sehr selten gegenüber den wirklich massenhaft vorkommenden gewöhnlichen Gefäßen und Gefäßfragmenten der Bandkeramik.


lG Thomas


https://www.researchgate.net/profile/Valeska_Becker/publication/309395669_Rinder_Schweine_Mischwesen_Zoomorphe_Funde_der_westlichen_Linearbandkeramik/links/580e18bd08ae0360753dd318/Rinder-Schweine-Mischwesen-Zoomorphe-Funde-der-westlichen-Linearbandkeramik.pdf
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Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.
animus
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« Antworten #4 am: 12. Juli 2019, 19:10:14 pm »

Ein Tierprotom - das dürfte das Rätsels Lösung sein  Super Danke an euch beide für die Bestimmung und Thomas natürlich wieder für die genaue Bezeichnung und die Pdf (die ist übrigens ein super Überblick zum Thema).

Der Fund wird natürlich nächste Woche gemeldet, wenn ich die ganze Dokumentation fertig habe. Ich messe alle Funde einzeln ein, bei dieser Fundstelle jetzt 150 Stück. Alle Funde werden dann einzeln aufgenommen mit Größe, Farbe, Magerung etc. Das Amt bekommt dann eine Liste in der alles aufgeführt ist und eine Karte mit der Fundverteilung. Außerdem hänge ich ein Übersichtsbild der Gesamtfunde an und von speziellen Funden (Feuerstein, Randstücke, Verziertes) gibt es noch extra Bilder. Dies nur als Hintergrund warum ich nicht jeden Fund direkt zum Amt bringe.

In diesem Sinne

Daniel
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thovalo
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« Antworten #5 am: 13. Juli 2019, 11:34:46 am »


Moin!

Das "Amt" wäre auch nicht sehr dankbar dafür jeden Fund sehen zu "müssen"  narr ...... oft haben sie es lieber ruhig und gemütlich!

In diesem Fall wäre es aber sehr spannend, denn das immer noch sehr seltene Stücke. Belege von figurativen Keramiken der Bandkeramik treten hier im Rheinland nur selten auf und erfahren immer deutliche Aufmerksamkeit, weil sie in ihrer Individualität deutlich über die tatsächlich sehr gleichförmigen Fundinventare von Keramik, Steingerätschaften aus Feuerstein und den ewig auftretende Dechselklingen hinaus gehen. Da individualisiert sich ein Ausdruck von Kreativität oder gesellschftlicher oder kultischer Darstellungsbedürfnisse. Mich verwundert wie selten sie hier sind, weil hier ja eine ganze bandkeramische Kleinsiedlungslandschaft vollständig ergfasst wird, weil die Bagger im Braunkohlegebiet alle kulturellen Hinterlassenschaften restlos zerstören.

Ich habe den Eindruck, dass es in den östlichen Bundesländern häufiger solche Funde gibt, weil sie näher an den östlichen Verbreitungsbebieten und Traditionen der Bandkeramiker liegen.

Ein toller Glücksfund, den nur sehr selten in einem Sucherleben gelingen kann!

lG Thomas  winke winke

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animus
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« Antworten #6 am: 13. Juli 2019, 13:13:41 pm »

Das "Amt" wäre auch nicht sehr dankbar dafür jeden Fund sehen zu "müssen"  narr ...... oft haben sie es lieber ruhig und gemütlich!

Eben, da fehlt halt auch die Zeit. Realistischerweise muss man sagen das 99% der Funde nie wieder angefasst werden, sondern nur erfasst werden. Das heißt für mich, das alles das ich nicht mache, auch nicht gemacht wird, bei diesen 99%.

Das dieses Fundstück selten ist, hatte ich vermutet und wie es aussieht ist es ja auch so. In der verlinkten PDF sind auch Fundstellen die direkt bei mir in der Nähe liegen, kann also durchaus sein, dass es in unserer Region da mehr zu finden gibt. Da die Fundstelle neu ist, wird das sicher auch in Zukunft eine regelmäßige Anlaufstelle für mich sein.

Ich werde berichten, was beim Amt gesagt wurde.  grins

Daniel
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thovalo
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« Antworten #7 am: 13. Juli 2019, 17:39:02 pm »



Ich werde berichten, was beim Amt gesagt wurde.  grins

Daniel

Sehr gerne!  Super
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