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Autor Thema: Hufeisen-Restauration - ein Langzeitprojekt  (Gelesen 924 mal)
crapseeker
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« am: 31. Januar 2019, 09:56:19 am »

Hallo zusammen,

heute zeige ich Euch einige meiner Hufeisen, die ich in den vergangenen Jahren finden durfte und im Winter 2017/18 einer Elektrolyse unterzogen habe. Bis vor wenigen Tagen waren sie im Entsalzungsbad, also fast 12 Monate lang. Großteils sind sie sehr schön geworden. Abschließend habe ich sie noch in Paraffin ausgekocht und nun sollten sie weitere Jahrhunderte überdauern können (hoffentlich - sofern sich nach mir auch noch jemand dafür interessiert :-(...).

Das Spannende an der Hufeisenstory ist, dass mir die beiden Wellenrandeisen erst als solche aufgefallen sind, als ich sie aus dem Wasser-Kübel, in dem Eisenfunde bis zur Restaurierung lagern, heraus gefischt habe. Kaum zu glauben, dass sie älter als die anderen, optisch für an heutige Eisen gewöhnte Augen viel exotischer Aussehenden sein sollen (Mond/Torbogen-Eisen).

Weiters dabei zwei (abgebildet aber nur eines davon) Hufeisen mit geschmiedeten keilförmigen Stollen an den Schenkelenden (ein tolles Beispiel großartiger Schmiedekunst, wie ich finde). Wie alt diese(s) Eisen ist, wage ich nicht zu sagen. Im Internet hab ich eine wissenschaftliche Schrift aus Enns gefunden ( https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0025-0036.pdf ), wo man mutmaßte, ein solches Eisen könnte in die Römerzeit datieren (ich bezweifle das bei meinen beiden Fundstücken), vor allem, weil ich ja nicht im Römergebiet wohne und von denen ja nur Hipposandalen bekannt sind, soweit ich weiß.

Die mond/torbogen-förmigen Eisen mag ich optisch besonders gerne, auch wenn sie deutlich jünger sind, als die Wellenrandeisen.

Hier zeige ich Euch eine Auswahl, einige sind noch fertig zu stellen, sie wässern noch ;-). Fotos folgen.

lg,

Crapi
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mike 81
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« Antworten #1 am: 31. Januar 2019, 10:32:33 am »

Servus winke winke

sind super geworden  Super

Gruß Mike
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historia-invenire
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« Antworten #2 am: 31. Januar 2019, 11:17:41 am »

Sehr schön.
Da muss man schon Geduld haben.
Ich habe gerade zwei halbe im Wasser liegen.
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... und wer da sucht, der findet.....           (Matthäus 7; 8)
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« Antworten #3 am: 31. Januar 2019, 13:05:40 pm »

Moin,

tolle Arbeit.  Super

Habe ja auch jede Menge an Hufeisen die als Zierde im Garten verteilt sind.  Unschuldig Wenn die Bearbeitung nur nicht so langwierig wäre, würde ich sie auch schon ganz gerne mal wieder herrichten. So rosten sie leider vor sich hin.  Schäm

Gruß
Gabi
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crapseeker
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« Antworten #4 am: 31. Januar 2019, 22:08:36 pm »

Danke zunächst fürs Lob! grins

Hallo Gabi, dann tu ihnen zumindest etwas Gutes und schmeiß sie in einen Kübel mit Wasser, dann lösen sie sich zumindest nicht auf. Mein Anfangsfehler bei einigen Eisen war, sie unrestauriert im Fundzustand an das Holztor der Werkstatt zu nageln. Inzwischen ist kaum mehr etwas übrig. Irgendwie ist das schade, denn in der Erde haben sie teilweise Jahrhunderte überdauert, kaum an der Luft, hat die Korrosion die Eisen binnen weniger Jahre völlig kaputt gemacht (zumindest die mondförmigen).
Ich habe mich zunächst auch jahrelang vor der Restaurierung gedrückt, aber der Wasserkübel hat die Eisen zumindest gerettet. Schließlich fasste ich mir vergangenen Winter ein Herz und hab alle Eisenfunde in einem wochenlangen Marathon elektrolysiert und dann zum Entsalzen übers Jahr wieder ins Wasser gelegt und dieses ab und an getauscht, die Funde abgebürstet und wieder versenkt.

Vor einigen Tagen nun hab ich mich aufgerafft und einen Teil davon fertig gestellt. Ich muss sagen: ich habe wirklich eine große Freude damit, weil auch Eisen sehr schön sein kann, wenn man sich die Arbeit antut. Vielleicht konnte ich Dir ja einen kleinen Anreiz dazu geben ;-).

Liebe Grüße,

Crapi  winke winke
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« Antworten #5 am: 01. Februar 2019, 06:14:28 am »

Moin Crapi,

ich werde wohl doch mal damit anfangen und den losen Rost abklopfen und sie ins Wasser stecken. (reicht erstmal ganz normales Leitungswasser ? oder gleich in destilliertes ?)
Denn eigentlich ist es echt schade, dann bräuchte ich sie ja nicht mitnehmen, wenn sie doch verrotten.  mhh grübel

Habe von ganz klein bis riesengroß, sogar eins mit Seil/Taueinlage dabei und wer weiß, ob nicht doch was spannendes dabei ist.

Gruß
Gabi
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crapseeker
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« Antworten #6 am: 01. Februar 2019, 08:25:53 am »

Hallo Gabi,

schön zu lesen, dass Du die Eisen doch erhalten möchtest grins. Ich habe die Hufeisen (und anderes Eisen auch) eigentlich nur in normalem Wasser gebadet, zuvor und auch nach der Elektrolyse. Entsalzen macht erst DANACH Sinn, sonst entsalzt Du nur die Korrosionsschicht. Wenn Du mildes Wasser zum Entsalzen willst, eignet sich auch Regenwasser. Das destillierte Wasser zum Entsalzen ist zwar nett, es geht aber genauso gut ohne, dauert halt länger und ideal wäre, wenn es warm wäre, das lässt sich im Winter gut managen, indem man den Behälter auf einen Heizkörper stellt (vorausgesetzt, er ist nicht zu schwer). Im Sommer hatte ich die Behälter an der Südseite des Hauses in der Sonne stehen. Falls Dir destilliertes Wasser mehr zusagt, kommt solches auch aus dem Wäschetrockner, ist auch eine kostengünstige Möglichkeit, ich hab das eine zeitlang gesammelt dafür. Ich sehe die Eisenfunde als Langzeitprojekt, wo mich nichts hetzt. Zunächst im Wasserkübel deponieren, bis ich die Elektrolyse starten möchte, danach wieder ins Wasser und da können sie dann lieben bleiben, bis wieder Zeit ist. Ab und zu wechsle ich das Wasser und bürste die Teile mit einer kleinen Drahtbürste etwas ab, öfter wäre ideal (wöchentlich), aber selbst das hab ich nicht immer getan, eher monatlich.
Da ich im Winter mehr Zeit für solche Sachen habe, verlege ich die Eisenrestauration einfach in den Winter, da liegt bei uns meist Schnee (igitt) und der Boden ist meist gefroren (doppel-igitt), also kann ich ohnehin nicht sondeln gehen. So ist diese "nutzlose" Zeit zumindest gewinnbringend genutzt, indem ich mich mit der Restauration beschäftige.

Ich hoffe, ich hab Dir ein wenig Überblick gegeben, wie ich das Ganze handhabe grins.

lg,
Crapi winke winke
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« Antworten #7 am: 01. Februar 2019, 14:40:28 pm »

Moin Crapi,

Danke für Deine ausführliche und liebevolle Antwort (man merkt schon beim lesen, dass Du auch Eisen magst  zwinker)

Noch eine Frage: Ich habe keine Elektrolyse. Muss man unbedingt eine haben ?

Gruß
Gabi

PS: Ein Teil ist im Wasser, der Rest muss noch warten. Sind zu viele und der Eimer muss draußen stehen bleiben, bis ich eine andere Lösung habe. (Katzen)
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« Antworten #8 am: 01. Februar 2019, 16:41:32 pm »

Schöne Eisen wobei die Hufeisen viel Arbeit bereiten weil in den Nagllöchern im Falz oder am Stollen der Rost hartnäckig hängt.

Die Wellenrandeisen sind 12./13. Jh. weil der Stollen schon kräftig ausgebildet ist

Die nächsten sind Falzeisen 2. Hälfte 14. Jh. bis etwa 1625.

Das letzte Eisen erinnert mich beim ersten Anblick an ein Eseleisen würde ich aber als Hochmittelalterlich und dem Pferd zuordnen. Wird auch gerne den Kreuzzügen zugeordnet aber über dieses Eisen besitze ich leider zuwenig Literatur.

Gruß cyper
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Quellbrunn
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Grüße von QB


« Antworten #9 am: 02. Februar 2019, 10:56:53 am »

Klasse Ergebnis!  Super
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Grüße von QB
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« Antworten #10 am: 03. Februar 2019, 08:03:30 am »

Hab da ein tolles Bild zum bestimmen von Hufeisen gefunden
Quelle https://www.sondengaenger-allgaeu.de/bestimmung-von-hufeisen/
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« Antworten #11 am: 03. Februar 2019, 09:29:35 am »

Ein gutes Bild. Nur die Zeitliche Beschriftung in der ganz linken Spalte ist vertauscht. Vor und nach Christus müsste gedreht werden.
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« Antworten #12 am: 03. Februar 2019, 13:43:16 pm »

Als hilfe zur ersten groben Zuordnung finde ich die Tabelle brauchbar und sehr gut. Man darf jedoch nicht übersehen, dass manche Typen lokal deutlich länger in Gebrauch waren als hier aufgezeigt.
Weitere Bestimmungsmerkmale sind z.B. die Größe der Eisen (Die Pferde wurden im Laufe der Zeit immer größer.), die Dicke der Eisen, die Hufnägel und entsprechend die Form der Durchbrüche und der Senkungen für die Nagelköpfe, Anzahl und Anordnugn der Hufnägel,Machart von Stollen und Griff usw.

Für Interessierte empfehle ich Literatur von Walter Drack.


Viele Grüße an alle, die Hufeisen spannend finden

Der Daniel

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crapseeker
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« Antworten #13 am: 03. Februar 2019, 20:20:26 pm »

wow, da hat sich ja noch eine Menge getan!
Vielen Dank an alle, die Beschreibungen und Abbildungen sowie Literaturhinweise hinterlassen haben. Danke
Mich freut sehr, dass Euch meine Eisen gefallen, es war die viele Arbeit durchaus wert. Aktuell "braten" gerade die nächsten zur Trocknung im Ofen, sobald die fertig sind, mach ich wieder einige Fotos grins.

Derweil liebe Grüße und bis bald,
Crapi winke winke
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