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Autor Thema: Funde von einem mesolithischen Platz  (Gelesen 458 mal)
Steinkopf
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« am: 03. Dezember 2018, 19:53:04 pm »

Moin,

heute konnte ich noch einmal einen nicht vom EU 'Greening' verdeckten Platz
absuchen und zwei Lamellenkerne bergen - nicht die hübschesten aber immerhin.

Fundplatz ist die Uferdüne eines seit langem trocken gelegten flachen Binnensees.
Die Fundstücke zeigen keine Patina und sind noch scharf wie frisch geschlagen.

LG

Jan
 
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Steinkopf
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« Antworten #1 am: 03. Dezember 2018, 20:01:47 pm »

Auf dem begrünten Teil dieser Fundstelle suchen Singschwäne.
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thovalo
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« Antworten #2 am: 03. Dezember 2018, 20:22:36 pm »



Sehr schön!

Die Kerne sind bis zur Neige genutzt!
Wie das auch immer in diesen geringen Formaten umgesetzt worden ist.


lG Thomas  winke winke
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Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.
Steinkopf
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« Antworten #3 am: 03. Dezember 2018, 21:18:02 pm »

Hallo Thomas,

Von dieser Uferdüne stammen so kleine Spitzen wie diese zufällige Auswahl.
Keine spätmesolithischen Trapeze.

LG

Jan
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Danske
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« Antworten #4 am: 03. Dezember 2018, 21:44:58 pm »

Moin Jan,

ich finde die kleinen Mikro- oder Lamellenkerne immer wieder interessant. Sind die Kerne ein- oder zweipolig und wurden die Klingen rundherum abgebaut oder nur zwei- bzw. einseitig?

Kannst du die Funde von dem Platz innerhalb des Mesolithikums zeitlich eingrenzen?

LG
Holger
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feldspat
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« Antworten #5 am: 03. Dezember 2018, 22:12:19 pm »

Hallo Holger,
zweipolig bedeutet, dass es auf beiden Seiten eine Schlagfläche gibt? mhh grübel
Beste Grüße
Christian
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Furchenhäschen
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« Antworten #6 am: 03. Dezember 2018, 22:26:32 pm »

Hallo Jan,
die interessanten Stücke des Norddeutschen Mesolithikums unterscheiden sich schon grundsätzlich im direkten Vergleich zu denen des Süddeutschen.

In welcher Zeitspanne sind Deine hier gezeigten mesolithischen Funde zu sehen?

Grüße
Peter winke winke
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« Antworten #7 am: 04. Dezember 2018, 06:34:45 am »

Moin Jan,

 Danke für das zeigen der Spitzen.

Wird mir hoffentlich weiterhelfen beim aufspüren und vor allem, erkennen der selbigen.

Gruß
Gabi
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Wer viel geht, findet viel.
(Nicht auf meinem Mist gewachsen)
Danske
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« Antworten #8 am: 04. Dezember 2018, 22:13:41 pm »

Hallo Holger,
zweipolig bedeutet, dass es auf beiden Seiten eine Schlagfläche gibt? mhh grübel
Beste Grüße
Christian

Ja, genau. Zweipolig oder besser bipolar.

Grüße
Holger
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feldspat
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« Antworten #9 am: 04. Dezember 2018, 22:56:27 pm »

Besten Dank grins
Liebe Grüße
Christian
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Steinkopf
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« Antworten #10 am: 04. Dezember 2018, 23:00:27 pm »

Die ersten Artefakte von diesem Platz fand ich  1990. Nach und nach stellte sich heraus, dass ein
etwa 400 m langer sandiger Streifen entlang der deutlich sichtbaren Hohlform des früheren 'Meeres'
kleine Flintartefakte in sehr dünner Fundstreuung lagen.
Der Boden besteht aus sehr magerem Sand, der auch heute noch bei Trockenheit Flugsandeigenschaft zeigt,
wie auf einem Foto vom März 1994.
Es war schon angesät aber nach drei Wochen Trockenheit begannen Sandverwehungen.

Von Anbeginn an war die zuständige Archäologie informiert und hat die Artefakte dokumentiert.

Anders als bei den meisten Meso-Plätzen, wurde hier nur sehr kleinformatiges wahrscheinlich lokales Material
verarbeitet.

In NordWestDeutschland bedeutet dies, Flint der Saale-Eiszeit (Altmoräne), welches während der darauf folgenden
Weichseleiszeit weiter verwitterte und an Qualität verlor.
Dieser (und einige benachbarte Plätze) sind wohl Sonderfälle im mesolithischen Spektrum welches auch im NW
mit Klingen aus gutem Rohstoff und entsprechenden Mikrolithen vertreten ist.

Dies beantwortet die Frage von Holger: Es gibt nur sehr kleine Kerne die opportunistisch - auch von mehreren
Plattformen aus abgebaut wurden. Zu klein um einen Kern für bipolare Klingenkerne aufzubauen.
Es war meisterhafte Feinarbeit an kleinen Flintstücken aus erbärmlichen Material.

Furchenhäschen stellt die berechtigte Frage nach der Datierung. Sie wurde mir von zuständiger Seite
nicht beantwortet wohl weil es keine Ausgrabungen mit vergleichbaren Funden aus der Region gibt.
Archäologen lehnen sich nicht gern aus dem Fenster. Es muss wohl früh- bis mittelmesolitsch sein.

Einige hier vorgestellte Fundstücke lassen sich mit der Suchfunktion 'Uferdüne' finden.
Ein Foto mit vier Lamellen - die beiden in der Mitte passen aufeinander - füge ich an.

Dieser Fundplatz liegt in Fahrrad-Nähe zu unserer Wohnung. Ich konnte dort intensiv absuchen
wann immer Pflug und Wetter mir die Gelegenheit gaben.
Den allergrößten Teil des Fundgutes hab ich schon abgegeben. Vielleicht wird er einmal bearbeitet.
Leider kam es im Laufe der Jahre zu immer mehr Bodeneingriffen, die diese dünne obere  Bodenschicht,
die sei Urzeiten nur wenig verändert wurde, als wertvolle Quelle der Vorgeschichte langsam verschwinden lässt.
Für wahrscheinlich halte ich, dass  das Meiste schon in den ca 28 Jahren aufgesammelt wurde.

LG

Jan
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2018, 13:14:31 pm von Steinkopf » Gespeichert
Steinkopf
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« Antworten #11 am: 04. Dezember 2018, 23:04:27 pm »

Hier ein Eindruck des Fundplatzes im März 1994 nach 3 Wochen Trockenheit beginnt der Sand
wieder zu Dünen.
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2018, 00:28:16 am von Steinkopf » Gespeichert
hargo
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« Antworten #12 am: 05. Dezember 2018, 01:36:52 am »

Sehr cool!

Was ich nicht verstehe: Was hat das frühere Meer mit dem späteren Aufenthalt der Mesolithiker an diesem Ort zu tun? Welche Lebensgrundlage fanden sie dort?

-nebensächliche Korrektur in "früh- bis spätmesolithisch(?)"

Noch eine Frage: Wieviele Artefakte konntest du auf den 400 Metern bislang aufsammeln?
Daraus lassen sich vielleicht Rückschlüsse auf den noch verbleibenden Rest in der Flugsanddüne ziehen.

mfg

p.s. Sind das nicht Klingen im spätmesolithischen Montbami-Stil (Gehlen), oder sind sie zu kurz dafür?



...Nach und nach stellte sich heraus, dass ein etwa 400 m langer sandiger Streifen entlang der deutlich sichtbaren Hohlform des früheren 'Meeres' mit Flintartefakten in sehr dünner Fundstreuung bedeckt war......

...Es muss wohl früh- bis mittelneolitsch sein...

...Vielleicht ist das Meiste auch schon aufgesammelt...

« Letzte Änderung: 05. Dezember 2018, 01:54:49 am von hargo » Gespeichert

Steinkopf
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« Antworten #13 am: 05. Dezember 2018, 07:27:20 am »

Moin hargo,

danke für den korrigierenden Hinweis!
Ich habe der Einfachheit halber die Stelle in '...mesolithisch' abgeändert. 

Die abgelieferten Funde - zumeist Schlagabfall - füllten drei gängigen Kartons.
Eine Statistik hab ich nicht gemacht.

Die Lage - am Ufer eines Binnensees, ist kein Einzelfall in dieser Gegend.
Da mit organischen Hinterlassenschaften nicht zu rechnen ist, kann spekuliert werden.
Zug-Vogeljagd, Fisch, Jagd, Sommer, Sonne Strand sind denkbar aber nicht zu belegen.

Die spät-mesolithischen Plätze mit geometrischen Mikrolithen (zumeist Trapeze)
habe ich in dieser Gegend immer an kleinen Wasserläufen gefunden.
Es sind insgesamt etwa 6 Plätze mit jeweils einem sehr geringen Fundaufkommen
bei intensiver Suche über einen langen Zeitraum - seit 1990!

Interessant wäre für mich auch der geologische Hintergrund.
In der älteren Literatur ist oft von Ausblasung (des Sandes) nach dem
Ende der Eisbedeckung die Rede.
Was für viele flachen Seen in dieser Gegend plausibel erscheint.

LG

Jan
« Letzte Änderung: 05. Dezember 2018, 10:45:24 am von Steinkopf » Gespeichert
hargo
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« Antworten #14 am: 06. Dezember 2018, 01:50:28 am »

.....
In der älteren Literatur ist oft von Ausblasung (des Sandes) nach dem
Ende der Eisbedeckung die Rede.
Was für viele flachen Seen in dieser Gegend plausibel erscheint.


Moin,

angeblich kommt es am Rande einer Vergletscherung durch den Temperaturunterschied zwischen Eis-und Landmasse und das darf man sicherlich großräumig sehen, zu sehr starken Winden, die den Sand aus dem vegetationslosen Boden blasen. Im Rheinland, meiner Suchgegend nördlich von Köln, setzte sich der Sand in einer Westströmung z.B. an der rechten Rhein-Mittelterrassenkante ab und bildete einen langen Gürtel von Flugsanddünen. Feinere Partikel wurden teils weiter getragen, finden sich aber insbesondere/auch viele Kilometer westlich der Dünen als meterdicke Lössschichten.
Ob die Dellen in deiner Gegend durch den Wind erzeugt wurden und sich später mit Wasser füllten, kann ich nicht beurteilen. Glaube es eher nicht. Die Dünenbildung beruht aber vermutlich auf dem gleichen Prinzip.

mfg
« Letzte Änderung: 06. Dezember 2018, 02:09:07 am von hargo » Gespeichert

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« Antworten #15 am: 06. Dezember 2018, 10:21:58 am »

Moin Jan,

vielen Dank für deine ausführlichen Darstellungen zum Fundplatz mit der Fundhistorie. Es ist eine schöne Sache, einen Platz über so einen langen Zeitraum immer wieder zu begehen.

Zunächst hat mich deine Angabe "sandiger Streifen...entlang des früheren 'Meeres'" etwas irritiert, da der Platz doch wohl südlich der dänischen Kippachse und somit im Bereich der nacheiszeitlichen Landsenkung liegt. Aber nun ist klar, es handelt sich um den Uferbereich eines inzwischen verlandeten Sees, also ein mesolithischer Binnenland-Platz, der zur damaligen Zeit weiter vom Meer entfernt lag als heute. Wie weit ist die Küste denn entfernt?

Noch eine Frage zur zeitlichen Bezeichnung "Früh- bis spätmesolithisch" in Norddeutschland: Entspricht dies den Stufen Duvensee und Oldesloe bzw. spätes Maglemose bis frühes Ertebølle?

@hargo: Was bedeutet "spätmesolithischer Montbami-Stil (Gehlen)? Habe noch nie etwas davon gehört und konnte auch bei der größten Suchmaschine dazu nichts finden.

LG
Holger



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Ich bin Augensucher. Meine Funde werden gemeldet.


« Antworten #16 am: 06. Dezember 2018, 12:18:23 pm »

Moin Holger,

Style de Montbani
> https://www.academia.edu/2335099/Grundformproduktion_und_-verwendung_im_sp%C3%A4ten_Mesolithikum_Mitteleuropas

Gruß

Jürgen
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« Antworten #17 am: 06. Dezember 2018, 15:22:10 pm »

Danke für den Link, Jürgen Danke

Habe jetzt wieder einen Aufsatz aus dem Floss mehr. Super

Gruß
Holger
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« Antworten #18 am: 10. Dezember 2018, 18:51:26 pm »

Moin Holger,

mit Deiner Annahme: (Zitat)
" ... es handelt sich um den Uferbereich eines inzwischen verlandeten Sees, also ein mesolithischer Binnenland-Platz,
      der zur damaligen Zeit weiter vom Meer entfernt lag als heute."
liegst Du richtig. Es sind ca. 40 km zum Nordsee-Deich.

LG

Jan
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Steinsucher
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« Antworten #19 am: 11. Dezember 2018, 01:16:33 am »

Text entfernt.
« Letzte Änderung: 12. Dezember 2018, 00:38:38 am von Steinsucher » Gespeichert
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