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Autor Thema: Glasarmreiffragment  (Gelesen 593 mal)
mike 81
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« am: 11. Oktober 2018, 18:46:15 pm »

Servus und juhuuu,  prost

mein zweites Bruchstück. Diesesmal nicht Lateneblau sondern im Endeffekt grün.  Boooa
Auf meinem Handschuh noch auf dem Acker wirkte es blau.
Auf meiner "Fotogartenbank" fast schwarz und erst auf der Taschenlampe sieht man die grüne Farbe.  Ein Auge drauf werfen
Die Sonne vermochte es nicht zu durchscheinen.
Die gelbe Auflage ist leicht erhaben.
26mm lang und 10mm breit.

Waren die zur gleichen Zeit vertreten wie mein erstes Bruchstück oder muß ich den Fund anders zeitlich einordnen  Nixweiss
http://www.sucherforum.de/smf/index.php/topic,73616.0.html

Gruß Mike
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« Antworten #1 am: 11. Oktober 2018, 21:31:03 pm »

Ich durfte neulich auch ein Fragment eines 5 Rippigen blauen Glasarmreifes mit gelber Fadenauflage finden. Beim Telefonat mit dem Amt wurde ich dann an Dr. Heiko Wagner / Freiburg verwiesen. Dieser hat seine Doktorarbeit über keltischen Glasschmuck in Süddeutschland/Schweiz und Oberrhein geschrieben. Er hat mir dann erklärt das die mehrrippigen Ringe mit dem gelben oder Weisen Auflagen eher zu den älteren 250-200 v. Ch zählen und je jünger desto einfacher/glatter die Form. Am Schluss nur noch glatt und ohne Glasfadenauflage. Fast wie moderner Modeschmuck.
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mike 81
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« Antworten #2 am: 12. Oktober 2018, 05:03:10 am »

Ok. Danke erstmal. 
Dann ist der schon am Ende anzusiedeln,  wenn auch noch mit Auflage.

Gruß Mike
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thovalo
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« Antworten #3 am: 12. Oktober 2018, 12:07:48 pm »


Ein sehr schöner Fundbeleg!

Er datiert spätlaténezeitlich und in der grünen Grundfarbe sind solche Ringe nur selten zu finden. Bei Tageslicht erscheinen sie purpur. Schwarz gibt es in der Glafarbe nicht. Selbst vollkommen Schwarz erscheinende Gläser erscheinen im Durchlicht purpurfarbig/violett.

lG Thomas  winke winke
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Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.
mike 81
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« Antworten #4 am: 15. Oktober 2018, 11:35:25 am »

Servus Freunde der Glasarmteifen,

anhand der Bilder schätzt mein Archäologe das Fragment als spätrömisch und nicht latenezeitlich ein.
Er meint, dass weder die intensiv grüne, fast schwarz erscheinende Glasfarbe noch die Art der Zickzack Auflage dazu passen. Spätrömische Glasarmreifen sind zwar selten, aber durch die annähernd schwarze Farbe gekennzeichnet. Zickzack Auflagen kämen in dieser Zeit ebenso vor.

Hat da jemand Literatur oder einen guten Link zu römischen Glasarmreifen ?

Gruß Mike
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thovalo
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« Antworten #5 am: 15. Oktober 2018, 13:48:41 pm »

Servus Freunde der Glasarmteifen,

anhand der Bilder schätzt mein Archäologe das Fragment als spätrömisch und nicht latenezeitlich ein.
Er meint, dass weder die intensiv grüne, fast schwarz erscheinende Glasfarbe noch die Art der Zickzack Auflage dazu passen. Spätrömische Glasarmreifen sind zwar selten, aber durch die annähernd schwarze Farbe gekennzeichnet. Zickzack Auflagen kämen in dieser Zeit ebenso vor.

Hat da jemand Literatur oder einen guten Link zu römischen Glasarmreifen ?

Gruß Mike


Ein Archäologe ist auch nur ein studierter Mensch!  Unschuldig


Eine Regel kann man allerdings festhalten:

laténezeitliche Glasarmringe sind aus einem Glasstück gedehnt und zeigen deshalb spindelförmige Blasen innerhalb der Glasmasse (schau einfach mal im Gegenlicht rein ob das der Fall ist.)

römische Ringe sind aus einem Glasstreifen(stab) gebogen und an den Enden zusammengepasst. Sie weisen diese spindelförmigen Blasen nicht auf. Nahtlose Ringe konnten die Römer nicht.

Die Fadendekore sind an laténezeitlichen Ringen hoch variabel und so wie ausgebildet ist das KEIN Ausschlußkriterium.


lG Thomas  winke winke

« Letzte Änderung: 15. Oktober 2018, 13:57:37 pm von thovalo » Gespeichert

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« Antworten #6 am: 15. Oktober 2018, 14:44:24 pm »

Lies mal in diesem Link die Seiten 64-66.
http://www.augustaraurica.ch/fileadmin/user_upload/2_Arch%C3%A4ologie/7_Literatur%20und%20Verlag/02_Forschungen_in_Augst/FiA10.pdf
Es ist mal wieder ein tolles Buch aus der Reihe: Forschung in Augst und steht zum kostenlosen download bereit. 25% der in Augst gefundenen Armringe waren aus Glas.
Auch in Trier gibt es viele Glasarmringe. Und Produktionsstätten. Diese Glasarmringe waren in der späteren römischen Zeit fast schon Massenware. ( So zumindest die Literatur)
Farbe und Form würde schon passen und dein Archäologe könnte in diesem Fall tatsächlich auch recht haben.
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Levante
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« Antworten #7 am: 15. Oktober 2018, 14:57:52 pm »







Hi,

egal wie das Fragment nun datiert, auf jeden Fall ein für uns seltener und ansprechender Fundbeleg. Ich vertraue da ganz auf Thomas, bei Glas hat er sich noch nie getäuscht…. Hilfe ... Ich werde verrückt

LG
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thovalo
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« Antworten #8 am: 15. Oktober 2018, 15:37:10 pm »






Hi,

egal wie das Fragment nun datiert, auf jeden Fall ein für uns seltener und ansprechender Fundbeleg. Ich vertraue da ganz auf Thomas, bei Glas hat er sich noch nie getäuscht…. Hilfe ... Ich werde verrückt

LG



Attentione Amigo .........   ds sind ja "nur" Fotos. Das Kriterium der spindelförmigen Blasen im Glaskorpus ist schon wichtig. Wenn vorhanden gibt es die Tendenz in die Laténezeit. Wenn nicht, dann anders.

lG Thomas  winke winke
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« Antworten #9 am: 15. Oktober 2018, 19:24:49 pm »


Attentione Amigo .........   ds sind ja "nur" Fotos. Das Kriterium der spindelförmigen Blasen im Glaskorpus ist schon wichtig. Wenn vorhanden gibt es die Tendenz in die Laténezeit. Wenn nicht, dann anders.

lG Thomas  winke winke


Guten….

..ich wollte damit lediglich ausdrücken, dass ich deine Meinung sehr schätze und meist auch ohne Zweifel auf diese vertraue. Ausschließlich bei blauen Glasknöpfen (Ösenperlen) bleibe ich skeptisch.

 winke winke  It's cool man winke winke
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mike 81
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« Antworten #10 am: 16. Oktober 2018, 10:21:29 am »


Das Kriterium der spindelförmigen Blasen im Glaskorpus ist schon wichtig. Wenn vorhanden gibt es die Tendenz in die Laténezeit. Wenn nicht, dann anders.

lG Thomas  winke winke

Servus nochmal,  winke winke

hab mal mit der Herbstsonne zwischen den Fingern fotografiert. Die Bläschen sind schon spindelförmig.  Ein Auge drauf werfen
Und den Querschnitt habe ich noch gar nicht angegeben. Der ist D - förmig.

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Heino
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« Antworten #11 am: 16. Oktober 2018, 11:46:23 am »

Hallo,
tatsächlich erinnert mich das Stück weder in der Farbe, noch in der Ausführung an die gängigen Stücke, die vor allem in den Niederlanden und am Niederrhein vorkommen. Die letzten Fotos zeigen aber das es sich um einen nahtlos hergestellten Ring gehandelt hat. Eventuell kann mann ihn im Umfeld der D-förmigen mit Fadennetz verzierten Ringe sehen, die ganz am Anfang der Produktion standen. Die Farben dieser Ringe sind allerdings Hellblau und Hellgrün. Und die Auflagen sind oft Dunkelblau. Wir wissen allerdings vieles noch nicht was mit diesem schönen und geheimnisvollen Schmuck zu tun hat.
Gruß Heino
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« Antworten #12 am: 16. Oktober 2018, 16:02:10 pm »



Danke für die guten neuen Bilder!


Hierbei sollte man bei den vorhandenen Kriterien, wozu auch die nun deutlich erkennbaren horzizontalen stries der Ventralfläche gehören, tatsächlich eher an ein spätlaténzeitliches Exemplar denken!

lg Thomas
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« Antworten #13 am: 16. Oktober 2018, 16:18:35 pm »

Hallo,
tatsächlich erinnert mich das Stück weder in der Farbe, noch in der Ausführung an die gängigen Stücke, die vor allem in den Niederlanden und am Niederrhein vorkommen. Die letzten Fotos zeigen aber das es sich um einen nahtlos hergestellten Ring gehandelt hat. Eventuell kann mann ihn im Umfeld der D-förmigen mit Fadennetz verzierten Ringe sehen, die ganz am Anfang der Produktion standen. Die Farben dieser Ringe sind allerdings Hellblau und Hellgrün. Und die Auflagen sind oft Dunkelblau. Wir wissen allerdings vieles noch nicht was mit diesem schönen und geheimnisvollen Schmuck zu tun hat.
Gruß Heino

Aus den Niederlanden und vom rechten Niederrhein kenne ich jeweils einen Ringbeleg mit vergleichbarer Färbung und D-förmigen Profil. Sie streuen vereinzelt zwischen  den Ringen mit D-förmigen Profil in "Purpur" mit und ohne Fadenauflage.

Bei den Fragmenten ohne Fadenauflage ist jedoch nicht zu klären ob sie nicht von Ringen mit Abschnitten von Fadenauflagen stammen, also nur zufällig ein unverziertes Teilstück repräsentieren.

In den Niederlanden und am Niederhein scheint es zwischen den beiden "Fundprovinzen" nähere Beziehungen bestanden zu haben. Unter den dort verbreiteten Ringen dominieren die späten mit D-förmigen Profil in laténeblau und purpur (mit und ohne Fadenauflagen), dreirippige, fünfrippige und siebenrippige Stücke ohne Fadenauflagen in laténeblau. Plastisch verzierte oder Stücke mit eingestochenen Mustern sind dem gegenüber nur sehr selten zu belegen. "Kleine Ringe", die bestenfalls von Babies oder Kleinkindern als Armringe hätten getragen werden können, vielleicht aber eher doch Ohrgehänge an Drahtaufhängungen waren, sind ebenfalls extrem selten nachzuweisen.

Es wird eine Produktion im Bereich eines keltischen Siedlungszentrums bei Niederzier behauptet. Das ist facharchäologisch nicht gesichertzu belegen. Die Interpretation einiger weniger Einzelfunde geschmolzener Glasreste als Beleg für eine Produktion ist in einer Zeit häufiger Brandbestattungen in die auch solche Glasarminge begegeben wurden wenig zielführend.

Noch viel Potential für Forschung!

lG Thomas  winke winke
« Letzte Änderung: 17. Oktober 2018, 13:05:47 pm von thovalo » Gespeichert

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« Antworten #14 am: 16. Oktober 2018, 16:19:29 pm »

Einfach eine geile Farbe.  Super
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mike 81
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« Antworten #15 am: 16. Oktober 2018, 17:43:48 pm »

Einfach eine geile Farbe.  Super

Jupp, die Farbe ist genial.  Super
Und für mich einer der schönsten bisher gemachten Lesefunde überhaupt.

Wird bald in eine Fundmeldung gegossen.
Mal sehen, ob und oder wann sich der zuständige Archäologe des BLfD meldet, und wie er das Fragment einschätzt.
Die bisherige Einschätzung stammt nicht vom Amt. 

P.S. Alle bisherigen Fundmeldungen heuer sind noch nicht beantwortet  NoGo

Gruß Mike
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