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Autor Thema: Funde eines Laufes auf einem hauptsächlich spätpaläolithisch datiernden Platz  (Gelesen 487 mal)
thovalo
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« am: 18. August 2019, 19:26:45 pm »


Guten Abend!

Gersten hatte ich die Gelegenheit eine kurze Weile meine Bahnen auf einem Rastplatz des späten Paläolithikums in NRW zu ziehen. Es war wenig Zeit bis zu heftigen und lange anhaltenden Regenschauern und es fanden sich, wie zumeist, nur einige Stücke neben ein wenig Debitage, deren Datierung nur bedingt einzuordnen ist.

Das spannendste Artefakt erschien zunächst unscheinbar, war aber aufgrund der fleckigen Patinierung dem spätpaläolithischen Fundaufkommen zuzuordnen.

Die Besonderheit war nicht gleich bei der Auffindung erkennbar. Bei dem Stück handelt es sich uj einen hier charakteristischerweise oportunistich gelösten Abchlag der in einer "hingefracture", einem Angelbruch, endete. Erst beim näheren Betrachten auf dem Acker fiel mir die breit versteilte Seitenlinie gegenüber dem schneidend dünnen Kantenverlauf auf. Es handelt sich nach näherer Betrachtung nicht um eine Kernkante mit länger auslaufenden negativen sondern um eine aprupte Stumpfung dieses Kantenverlaufs. An dem Artefakt ist nichts verloren gegangen. Mit der Spitze nach Oben ausgerichtet ergibt sich das Schema einer "Rückenspitze".

Der Schlagpunkt liegt direkt an der Spitze, die stärker Rückenlinie ist gestupft, die gerade Basis bildet die "hinge fracture".
Im Gesamtkonzept könnte man dieses Stück als Rückenspitze interpretieren.

Sie ist in den Proportionen gedrungen, in der Funktion als Projektil mit stabiler Spitze jedoch gut zu gebrauchen.

Das Fundinventar auf dme Fundarel ist allgemein sehr oportunistisch ausgeführt und zeigt eine höhere Variabilität in der Ausführung der Spitzen, darunter zwei klassische "Federmesser" und eine Spnder form der Federmesser mit explizit ausretuschierten Stiel. Allgemein sind die Spitzen des späten Paläolithikums in komplexeren Inventaren meist sehr variabel zumindest was ihre Proportionen angeht.

Zum Vergleich habe ich den Neufund neben ein großformatiges Federmesser von einem mehrer Kilomter entfernten Platz gelegt und gehalten.


Sonst fand sich neben etwas Debitage ein kleiner Kratzer aus einem Maasei (oeuf de la Meuse), solche verrollten Silices nennt man im Norden wohl Wallsteine.

Der würde sowohl in das späte Paläolithikum passen, wie auch in ein spätes Neolithikum, das sich in der nord-östlichen Teilfläche des Platzes mit inzwischen drei geflgelten Pfeilspitzen und einer Felsgesteinbeilklinge konzentriert.

Dann noch als Besonderheit ds Medialfragment einer schon sehr weitgehend mitgenommenen großen Feuersteinklinge aus Rijckhotlfeuerstein. Die passt prima in das jünger bis ausgehende Neolithikum wenn ...........  es inzwischen im Rheinland linksrheinisch nicht einen recht aktuellen Fundplatz der spätpaläolithischen "longblade-Industrie" geben würde in dessen gesicherten Befunden nun ausgerechnet auch Klingen dieser Große aus Rijkcholtfeuerstein mit vertreten sind. An dem Fragment von Gestern fällt auf, dass sie von einem bipolar abgebauten Kern stammt, was im Neolithikum eher ungewöhnlich ist.

Aber da müssen noch viele ergänzende Fundbeobachtungen und vielleicht endlich auch mal Grabungen stattfinden, damit dazu für diesen hoch spezifischen Platz sicher näheres dazu gesagt werden kann.


lG Thomas  winke winke


Die "Spitze" weist 2.9 cm Länge und 2.1 cm Breite im Bereich der Basis auf




« Letzte Änderung: 18. August 2019, 20:14:09 pm von thovalo » Gespeichert

Darin besteht der Fortschritt der Welt, daß jede ältere Generation von der Jugend behauptet, sie tauge nichts mehr.
thovalo
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« Antworten #1 am: 18. August 2019, 19:32:22 pm »



.....  das Maaseikratzerchen ....
« Letzte Änderung: 18. August 2019, 20:02:37 pm von thovalo » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 18. August 2019, 19:34:00 pm »




... und das 7.4 cm lange Medialfragment einer Großklinge aus maasländischen Feuerstein vom Rijkholttyp mit dorsal gegensätndig auslaufenden Negativ  Ein Auge drauf werfen
« Letzte Änderung: 18. August 2019, 20:10:18 pm von thovalo » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 18. August 2019, 19:37:58 pm »




...... zuletzt noch das Fragment einer gebrochenen kleineren Steinplatte aus quarzitisch gebundenen Sandstein mit einer natürlichen und einer geglätteten Breitseite. Auch solche Stücke sind inzwischen für rheinische spätpaläolithische Fundkomplexe als charakteristisch erkannt (siehe Publikationen zu Wesseling zwischen Köln und Bonn).




lG und einen guten Start in die kommende Woche


Thomas  winke winke
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« Antworten #4 am: 19. August 2019, 21:32:56 pm »

Hallo Thomas,

die Spitze ist interessant und deine Interpretation als Rückenspitze nachvollziehbar. Die Rückenstumpfung ist schon sehr ausgeprägt im Verhältnis zum Vergleichsstück. Bist du sicher, dass es sich um einen Angelbruch handelt? Könnte es nicht auch ein Biegebruch, entstanden bei der Benutzung der Spitze, sein?

Die Klinge ist recht massiv und scheint in der Seitenansicht ziemlich gerade zu sein. Auch das spricht für einen bipolaren Abbau, womöglich von einem prismenförmigen Kern.

Die Verbindung der Steinplatte zum Spätpaläolithikum erschließt sich mir nicht. Welche Verwendung fand sie? Bei einer natürlichen und einer geglätteten Breitseite hätte ich das Stück eher mit einem neolithischen Mühlstein in Verbindung gebracht.

LG
Holger
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thovalo
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« Antworten #5 am: 20. August 2019, 18:52:24 pm »



Hallo Holger!

Auf dem Federmesserfundplatz Wesseling sind mehrere solcher Platten im Befundzusammenhang ergraben worden.
Wozu sie dienten, das ist bislang noch nicht näher geklärt worden.

Die Spitze weist tatsächlich im Bereich der Basis einen ganz flach auslaufenden Angelbruch auf. Inzwischen bin ich in der Literatur weiter gekommen und habe Beispiele "gerdrungener Rückenspitzen" finden können. Die gesprenkelte Patinierung datiert sie auf diesem Plazt in das späte Paläolithikum.

In die Richtung "gedrungener Rückensptizen" wird es gehen.
Wenn ich sie entsprechend fachlich diskutieren und abklären lassen kann lasse ich es hier wissen.

lG Thomas








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thovalo
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« Antworten #6 am: 03. September 2019, 18:47:37 pm »



Guten Abend!

........... und hier die freundliche Korrektur ....... durch Dr. M. Heinen von Heute: es handelt sich bei der vermeintllichen rückenretuschierten "Spitze" um den Abschlag einer präparierten Kernkante .... mit der ich als Projektil einen Elch geschossen hätte!  


 Ich werde zum Elch   schwitz


lG Thomas  winke winke
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Nanoflitter
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« Antworten #7 am: 03. September 2019, 19:05:01 pm »

 Unschuldig besorgt prost
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thovalo
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« Antworten #8 am: 03. September 2019, 20:01:08 pm »

Unschuldig besorgt prost


        prost
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« Antworten #9 am: 04. September 2019, 22:00:33 pm »

Danke für die Info, Thomas.

Was sagt mir das: Ich Nixweiss Unschuldig

LG
Holger
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thovalo
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« Antworten #10 am: 05. September 2019, 09:16:57 am »


Vielleicht, dass man mit einer Kernkante auch einen "Bock"    Du Schaf     schießen kann  narr


Nein im Ernst

..... ich fand das für mich bei stetig wachsender Erfahrung eine Erweiterung des Horizontes und unter dem Strich ..... würde Not am Mann gewesen sein wäre so ein Stück auch als Projektil geeignet gewesen, das muss man gar nicht groß diskutieren .... es gibt sogar Nachweise, zumindest aus dem Neolithikum, dass allein dem Umriss nach geeignete vollkommen unbearbeitete Silexstücke verschossen worden sind .... frag mich jetzt nur Keiner wo das genau steht (bei Lutz Fiedler meine ich) ......

Der Fundbeleg erweitert sehr schön den Komplex spezifischer Stücke von Debitage, die die Bearbeitung und in diesem Fall die fortschreitende Bearbeitung von Kernsteinen am Ort dokumentieren. Man könnte das Stück wohl auch als partielle Kernscheibe ansprechen wenn es eine technologisch gleichförmige Kernbearbeitung gegeben hätte. Doch hier wurden Kernsteine weitestgehen opportunistisch angesprochen.

Das ist in sofern wertvoll, weil dieser spezielle Platz aktuell offiziell anerkannt und in die Fundplatzkartierung der Federmesserfundplätze am Niederrhein aufgenommen worden ist.


lG Thomas  winke winke
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