Detektortests und Detektorvergleichstests geben immer wieder Anlass zu endlosen Diskussionen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Für den einen zählt ausschließlich die maximale erreichbare Suchtiefe, für den anderen die Metallfilterung bzw. die Fähigkeit, verschiedene Metalle akkurat identifizieren zu können. Andere wiederum legen großen Wert auf die Kleinstteileempfindlichkeit oder auf die Minimierung des Target mask Effektes.
Grund für Streitgespräche liefern ebenfalls die angewandten Testmethoden (Lufttest/Bodentest). Häufig werden bei Vergleichstests Geräte mit unterschiedlichen Suchspulentypen (Konzentrisch und 2D) und Suchspulengrößen direkt miteinander verglichen, obwohl die Ergebnisse nicht zu vergleichen sind!!!
Neulich habe ich in einer Diskussion die Begriffe „Mittelklasse“ und „Oberklasse“ bei MD bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit gelesen. Diese Begriffe haben mich zum Schmunzeln gebracht, denn man kann MD bestenfalls in Preisklassen einteilen, nicht aber wirklich in Leistungsklassen. Jack Gifford, Seniorchef und Gründer von Tesoro, hat einmal vor längerer Zeit geschrieben, dass die meisten MD leistungsmäßig ungefähr gleichauf liegen, egal wie viel sie kosten und dass der Unterschied zwischen Unter- bzw. Mittelklasse und Oberklasse in den „bells and whistles“ liegt. Er meint mit „bells & whistles“ Gadgets wie z.B. die VID-Anzeige, die Multitonanzeige, der Stimmengenerator und die multiplen Einstellmöglichkeiten, Knöpchen und Regler.
Bei MD-Tests, wo Münzen und Testgegenstände vergraben sind, weiß der Tester meist, wo die Gegenstände liegen. Wenn beim ersten Schwingvorgang kein Signal vorhanden ist, dann wird so lange an den Einsstellknöpfen gedreht und gescrollt (sensitivity, threshold, ground balance, Preamp Gain, Filterzahl, …), bis man den Gegenstand „hört“. Was dabei verschwiegen wird, ist dass der MD dabei z.T. instabil wird, Fehlsignale abgibt und in der Einstellung für eine normale Suche unbrauchbar geworden ist.
Ich habe vor längerer Zeit die Frage gestellt, wer mit seinem MD je eine Münze tiefer als 20 cm bzw. 25 cm in der Erde gefunden hat. Ehrliche Antworten gingen in die Richtung, dass Suchtiefen von 20-25 cm für eine Münze die absolute Ausnahme sind (wenig mineralisierte Erde, großer Münzdurchmesser). Ich will nicht bestreiten, dass es Böden gibt, wie etwa trockene Sandstrände, wo ähnliche Tiefen wie bei Lufttests für ein Geldstück bei maximaler Sensitivity erzielt werden (25-35 cm und vielleicht mehr).
Maximalen Suchtiefen dienen bestenfalls dazu, Neulinge zu beeindrucken, damit die sich ein anderes „leistungsfähigeres“ Gerät zulegen (Werbeargument). Bei der normalen Ackersuche, besonders auf Bodendenkmalen, liegen die realen Suchtiefen etwa 30-60 % unter denen in nicht mineralisierter Erde (Siehe das Bulletin N° 17 der Fnudem):
http://www.prospection.net/telechargement/bull17h.htm Bei Kleinteilen, hoch mineralisierter Erde und zahlreichen Eisenteilen, also Bedingungen wie man sie auf Bodendenkmalen vorfindet, (und wo sich die meisten Sondengänger rumtummeln) trennt sich zwar oft die Spreu vom Weizen. Dennoch, die Leistungsgeinbußen an solchen Örtlichkeiten betreffen in gleichem Maße Mittelklasse wie Oberklasse MD.

Ich habe mir die Frage gestellt, ob sich die Fundquote oder Fundausbeute durch die vielen Einstellmöglichkeiten etwa eines White’s Spectrum, DFX oder MXT (=so genannte Oberklasse) gegenüber einem einfach gestrickten Tesoro Silver, Cibola, XP Adventis (= sogenannte Mittelklasse) derart erhöht, dass man sich ein Gerät der so genannten „Oberklasse“ zulegen muss. Ich muss die Frage aus folgenden Gründen verneinen:
1. Die wenigsten Sondler wissen, wie man Geräte mit einer Vielzahl an Möglichkeiten vom Schlage eines DFX richtig bedient bzw. optimal einstellt. Sie haben meist keine blasse Ahnung, was das Verändern eines Parameters auf die Suchleistung und Sucheigenschaften bewirkt. Die meisten suchen eh mit den Standardeinstellungen ab Werk oder einer Einstellung, die sie irgendwo im Internet aufgeschnappt haben, die sich aber für ihr Suchgebiet nur wenig eignet.
2. Die Bodenverhältnisse besonders auf Bodendenkmalen ändern sich manchmal derart stark von Meter zu Meter, dass der Sondengänger mit dem Gerät der Oberklasse dies meist überhaupt nicht mitkriegt

. So genügt es, dass sich im Boden ein paar sekundär verbrannte Ziegel befinden, damit der eben optimal eingestellte Bodenabgleich nicht mehr stimmt. Dann ist auch die „Spitzenleistung“ des Oberklassegerätes dahin …
Meine Meinung geht dahingehend, dass man lediglich von preislicher Unter-, Mittel-, und Oberklasse sprechen kann, nicht aber von leistungsmäßiger. Wer sich zum Beispiel gerne mit Programmieren oder mit Knöpfchendrehen befasst, ist mit einem Spectrum, DFX oder Tejon gut bedient. Wer sich das zeitraubende Spielen mit Programmen und Knöpfchen sparen will, ist mit einem Mittelklasse Silver, Cibola, oder Adventis besser bedient. Dass die Fundausbeute eines Oberklasse MD deutlich höher liegt als die eines Mittelklassedetektors, ist ein Mythos.

Die Wahl eines Detektors ist Anschauungssache. Soll doch jeder den MD wählen, der ihm am besten gefällt

.
Eine letzte Bemerkung: Ich spreche hier von modernen Motion-Detektoren und NICHT von meinen bevorzugten Oldies aus den 70er Jahren.
André